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SEBASTIAN MAAS
STILL HUMAN

13.11.2026 - 10.01.2027

Als Menschen nehmen wir die physische Welt nicht nur wahr, sondern ordnen uns seit jeher an einer privilegierten Stelle in ihr ein. Die Idee einer menschlichen Ausnahmestellung gründet in der Annahme, dass Bewusstsein, Erkenntnis und Erfindungskraft dem Menschen einen Vorrang innerhalb der Welt verleihen. Das Aufkommen künstlicher Intelligenz stellt dieses Selbstbild seit einiger Zeit zur Disposition. Wenn eine Maschine uns etwa im Go besiegen kann, rücken nicht etwa vermeintlich souveräne Reste menschlicher Überlegenheit in den Fokus, sondern elementare Vollzugsformen leiblicher Existenz: Hunger, Kälte, Erregung oder Müdigkeit. Ein Roboter wird niemals wissen, wie es ist, sich den Zeh an einem Stein zu stoßen.
 

Doch auch diese Unterscheidung bleibt ambivalent. Der Mensch ist zugleich Urheber des Künstlichen, einschließlich der künstlichen Intelligenz. Was dies im Verhältnis von menschlicher und künstlicher Intelligenz für die Darstellung von Wirklichkeit und für die Hervorbringung emotionaler Zustände bedeutet, ist offen.
 

Genau in dieses Spannungsfeld tritt Sebastian Maas mit seiner neuen Einzelausstellung bei Heldenreizer. Seine Bilder erkunden die produktive Spannung zwischen der künstlichen Hervorbringung von Wirklichkeit und der Evokation emotionaler Wahrheit durch souveräne Artifizialität.
 

Die Ausstellung trägt den Titel Still Human. In Sebastian's Gemälden ist der Mensch unübersehbar präsent: auf Decken gelagert, von Picknickarrangements umgeben, in ernsthafte oder spielerische Gespräche miteinander vertieft. Die Szenen halten einen Schwebezustand fest: zwischen Tageslicht und Dunkelheit, Gespräch und Versenkung, Sinnlichkeit und Spiritualität. Alles scheint beiläufig, spontan und natürlich. Tatsächlich aber ist diese Szenerie das genaue Gegenteil einer zufälligen Begegnung. Zu sehen ist das Bild eines sorgfältig kuratierten Symposiums, bei dem jeder Parameter ausgewählt wurde: die Teilnehmenden, die Jahreszeit, die Tageszeit, die Gesprächsthemen, die musikalische Begleitung und selbst die Erfrischungen. Ihr Zusammenspiel soll eine spezifische Atmosphäre, Stimmung und emotionale Aufmerksamkeit erzeugen. Sogar der Ort, der Englische Garten in München, ist selbst eine kenntnisreich konstruierte Nachahmung von Natur.
 

Bei der Konstruktion seiner Bildräume knüpft Sebastian Maas an frühere Meister malerischer Spezialeffekte an, an die barocken Virtuosen des Helldunkels ebenso wie an die kundigen Stimmungsarchitekten des französischen und amerikanischen Impressionismus. Dass diese Malerei heute bisweilen unter Kitschverdacht gerät, ist für den Künstler kein Einwand, sondern produktiv. Gerade der Kitsch besitzt die Fähigkeit, die Gemachtheit eines Bildes nicht zu verdecken, sondern hervortreten zu lassen.
 

Auch an anderer Stelle der Ausstellung wird das Wechselverhältnis von Künstlichkeit und Wirklichkeit sichtbar, ebenso wie die Frage, in welchem Maß das eine das andere überhaupt erst hervorbringt. Maas zeigt eine Drag-Künstlerin in einem bestimmten Moment ihrer Verwandlung in die Drag-Persona. Die Illusion ist noch nicht vollständig verkörpert. Gerade deshalb wird die feine, schimmernde Spannungslinie sichtbar, die Wirklichkeit und Artifizialität, Tag und Nacht, Persönlichkeit und Alter Ego voneinander trennt und zugleich miteinander verbindet.
 

Im fortwährenden Spiel zwischen dem Realen und dem Künstlichen bleibt Sebastian Maas schwer festzulegen. Er schlägt sich auf keine Seite. Stattdessen konfrontiert er uns, die wir als Menschen sinnliche und emotionale Wesen sind, mit den Verfahren, durch die unsere Gefühle gelenkt werden können, und mit dem durchaus realen Vergnügen, das darin liegt, sich dieser Lenkung zu überlassen.

Ausstellung

13. November 2026 - 10. Januar 2027

Türkenstr. 32, 80333 München

© 2026 by HELDENREIZER Contemporary GmbH, München . Impressum

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