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HYEPAK
PAULINE SIMON
to | da y to morr ow

31.01.2026 - 06.03.2026

Die dritte Ausgabe der Reihe to | da y to morr ow versammelt zwei junge Positionen, die an der Naht zwischen Wahrnehmung und Projektion, Erinnerung und Imagination operieren. Hyejin Park untersucht Fremdsein als ästhetische und soziale Disposition, geprägt von Blickregimen, Technologien und Affekten. Pauline Simon schält aus alltäglichen Phänomenen präzise Wahrnehmungsszenarien, in denen Zeit, Raum und Erinnerung ineinandergreifen. Der Ausstellungsraum wird zur Versuchsanordnung mit klaren Parametern: bei Park als Interface-Landschaft, die Kontaktzonen zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Akteurinnen und Akteuren freischaltet, bei Simon als phänomenologische Projektionsfläche, in der sich eine Zone zwischen Gedächtnis und Gegenwart entfaltet und der erinnerte Raum als Erfahrungsraum sich neu manifestiert.

 

HYEPAK (Hyejin Park) erforscht in ihren installativen Arbeiten die Erfahrung des Fremdseins als existenzielles, soziales und ästhetisches Dispositiv. Ausgangspunkt ist der Blick, verstanden nicht als rein visuelle Handlung, sondern als Kraftfeld von Projektion, Normierung und Beziehung. Parks Arbeiten übersetzen diese oft unsichtbaren Strukturen in räumliche Konstellationen, in denen sich Wahrnehmung, Kontrolle und Koexistenz an der Oberfläche von Bild, Objekt und Klang materialisieren.

 

Zentral ist HYEPAKs Verständnis eines Techno‑Imaginary: Technologie erscheint nicht als bloßes Produktionsmittel, sondern als Erweiterung der Sinnlichkeit und als Raum für neue Formen von Imagination und Affekt. 3D‑Modellierung, unkonventionelle skulpturale Formen und videobasierte Verfahren erzeugen Wesen, Atmosphären und Sensationen, die zwischen Menschlichem und Nicht‑Menschlichem oszillieren. Die Figur des Aliens markiert dabei eine Schnittstelle technologischer und anthropologischer Vorstellungen, ein techno‑emotionales Gegenüber, das Fremdheit nicht als Defizit, sondern als Möglichkeit neuer Empathien verhandelt.

 

In jüngsten Arbeiten entwickelt HYEPAK eine bewusst ambivalente Bildsprache. Kitschig‑verspielte Elemente wie aufblasbare Skulpturen und helle Farben kontrastieren mit irritierenden Formen. Vertrautes und Unvertrautes treffen zusammen, sodass sich die Wahrnehmung verschiebt: Was zunächst befremdet, öffnet sich als Einladung zu nonverbaler Gastfreundschaft. HYEPAK reagiert damit auch auf die eigene Erfahrung als koreanische Künstlerin in Deutschland, die die Lücke zwischen Sprache, Ausdruck und Identität leibhaftig kennt. Wo Worte fehlen oder missverstanden werden, sprechen Rhythmus, Farbe, Material und Bewegung. Ihre Installationen werden zu Erfahrungsräumen, in denen Fremdheit nicht Ausgrenzung erzeugt, sondern Beziehung stiftet.

 

HYEPAKs Praxis macht sichtbar, wie Identität zwischen Selbst‑ und Fremdwahrnehmung entsteht. Sie zeigt Subjekte im Spiegel sozialer Erwartungen und kultureller Zuschreibungen und eröffnet zugleich Räume, in denen diese Spiegelungen verschoben, gebrochen oder multipliziert werden. Fremdsein wird hier zur produktiven Kategorie, ein Sensorium, das die Bedingungen von Wahrnehmung, Nähe und Anerkennung neu justiert.


Pauline Simon versteht Raum als empfindlichen Organismus. Ihre künstlerische Praxis beginnt mit einer taktilen Untersuchung: den Ort abtasten, Material, Geschichte und Struktur behutsam befragen, um feine Spannungen zwischen Innen und Außen, Intimität und Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Ausgangspunkte sind alltägliche, oft beiläufig wahrgenommene Phänomene – ein wandernder Lichtfleck im Schlafzimmer, ein fixierter Schatten auf einer Wand, das leise Tropfen von Wasser in einen Eimer – die sie in präzise Wahrnehmungsstudien überführt. Simon interessiert die Latenz von Signalen und ihr Widerhall: Was bleibt, wenn ein Impuls in die Welt gesetzt wird, und wo endet sein Echo. Wie lesen wir Spuren, übertragen Begriffe und formen daraus Bedeutung.

 

Verdichtet zeigt sich dies in der schwebenden Installation Memory Machine (2021), die eine vertraute, doch selten artikulierte Erfahrung reproduziert: das Einschlafen bei den Großeltern, geprägt von vielschichtigen Sinneseindrücken. Im Zentrum steht ein tastendes, wanderndes Scheinwerferlicht, das durchs Fenster fällt, über Oberflächen gleitet und ein kafkaeskes Raumspiel aus Licht und Schatten entfacht. Das Licht wirkt einerseits zärtlich, andererseits dringt es fast gewaltsam in den privaten Raum. Es markiert eine Grenze zwischen Außen und Innen, zwischen öffentlichem Fluss und häuslicher Stille, zwischen Welt und Körper. Dass das Phänomen jederzeit unter anderen Bedingungen erscheint und dennoch als dasselbe erkannt wird, lässt seine eigenartige Übertragbarkeit hervortreten. Ein anderer Raum, ein anderes Auto, ein anderer Scheinwerfer, eine andere Straße, eine andere Jahreszeit, eine andere Uhrzeit, und doch bleibt die Geste des Lichts unverwechselbar. Diese Invarianz innerhalb wechselnder Variablen bildet einen ästhetischen Kern des Werks.

 

Um diese Essenz freizulegen, reduziert Simon die Situation auf wenige, präzise gesetzte Elemente. Das Fenster erscheint als archetypische Form in modellhafter Größe. Seine Proportionen erinnern eher an ein Kinderspielhaus und evozieren ein erinnerndes Verhältnis zum Raum, das weniger von Maßstäblichkeit als von Nähe geprägt ist. Der Autoscheinwerfer impliziert das Fahrzeug als unsichtbare Ursache und reflektiert die Bewegung der Welt an die Wand. Der Spot mit variierender Lichtfarbe und Schärfe macht Zeit und Bewegung anschaulich und markiert die Übertragbarkeit des Phänomens, fast wie in einem experimentellen Aufbau, ohne die kühle Strenge eines Labors zu übernehmen. Entscheidend ist, dass aus dieser Konstellation eine eigene Qualität entsteht, die die Betrachtenden in eine Zone zwischen Gedächtnis und Gegenwart führt, in der das wandernde Licht zu einem Index der Zeit wird und der erinnerte Raum als Erfahrungsraum neu erlebt werden kann. So entfaltet Memory Machine eine stille Poetik des Gewöhnlichen und verwandelt das scheinbar Banale in eine präzise und eindringliche Erfahrung.

 

Hyejin Park alias HYEPAK (* 1992, Seoul, Südkorea) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Danica Dakić, Marcel Odenbach und Johannes Schütz und schloss 2025 ab. Sie arbeitet vorwiegend mit Video und Installation. Ausstellungen u. a.: IMAI, LED‑Wall am Kö‑Bogen Düsseldorf, Julia Stoschek Collection, Goethe‑Institut Rom. Hauptpreis beim Gwanghwamun International Art Festival im Sejong Center for the Performing Arts. Park lebt und arbeitet in Düsseldorf; ihre Praxis entfaltet sich zwischen den kulturellen Kontexten Deutschlands und Südkoreas. Im Zentrum stehen Wahrnehmung, Unterdrückung, Kontrolle, Koexistenz sowie verlassene Räume und Zeiten—mit besonderem Fokus auf die gegenwärtige Auseinandersetzung mit Fremdsein.

 

Pauline Simon (* 2001, Duisburg) studierte von 2018 bis 2025 an der Kunstakademie Düsseldorf in den Klassen von Rita McBride, Franka Hörnschemeyer und Nina Canell. 2024 studierte sie an den Beaux-Arts de Paris. Im selben Jahr wurde sie Meisterschülerin bei Prof. Franka Hörnschemeyer. 2025 schloss sie ihr Studium an der Kunstakademie Düsseldorf ab. Seit 2025 absolviert sie ein Masterstudium Art and Science an der Universität für angewandte Kunst Wien. Ausstellungen u. a.: We Don’t Actually Need Gravity, HGB Leipzig, Deutschland, What Is Steady Anyway?, Sammlung Philara, Düsseldorf, Parasite, Zeto Gallerie, Paris, Frankreich, What did You Expect?, Leopold-Hoesch-Museum, Düren.

Ausstellung

30. Januar 2026 - 06. März 2026

Türkenstr. 32, 80333 München

© 2025 by HELDENREIZER Contemporary GmbH, München . Impressum

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