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ANNA BLUME, DER RAUM IST WEIT
ANGELA ANZI
JENNIFER LÓPEZ AYALA
SEBASTIAN MAAS
MARTIN WERTHMANN

16.02.2024 - 20.04.2024

HELDENREIZER Contemporary freut sich mit „Anna Blume, der Raum ist weit“ erstmals eine einzigartige Off-Space-Gruppenausstellung in den historischen Räumen eines ehemals geheimen Bunkerkomplexes der Luftwaffe der Deutschen Wehrmacht zu präsentieren. In diesem nicht-öffentlich zugänglichen, in Privatbesitz befindlichen Bunker in Grünwald zeigt HELDENREIZER Contemporary vom 16. Februar bis zum 20. April 2024 vier herausragende junge zeitgenössische Positionen, für die die Frage des Raums bzw. der Raumdiskurs von zentraler Bedeutung ist. Zu sehen sind ortspezifische Arbeiten der Schweizer Performance- und Installationskünstlerin Angela Anzi, der Düsseldorfer Installationskünstlerin Jennifer López Ayala, des Berliner Malers Sebastian Maas und des ebenfalls in Berlin lebenden Künstlers Martin Werthmann.

 

An einem symbolischen „Ort des Verborgenen“, der historisch sowohl Schutzraum als auch Ort der Bedrohung war, möchte die Ausstellung Anna Blume, der Raum ist weit die kulturellen, metaphysischen und ontologischen Dimensionen des Raums vergegenwärtigen und in situ freilegen. Zentrales Ziel dieses von HELDENREIZER Contemporary entwickelten Ausstellungprojekts ist es, den Besucher*innen das komplexe Verhältnis zwischen dem eigenen Selbst und dem Raum näherzubringen und für den virulenten Raumdiskurs zu sensibilisieren. Das Raumextrem des ehemaligen Wehrmachtbunkers soll dabei in Wechselwirkung mit den gezeigten Positionen hierfür den Resonanzraum bilden. Die Ausstellung beleuchtet die existenzielle Dimension des Raums entlang von drei Aspekten: Metaphysik, Materialität und Identität. 

 

Der multisensorische Raum – Angela Anzi

Mit ihren ortspezifischen, multisensorisch angelegten Klanginstallationen macht Angela Anzi den Raum per se zum künstlerischen Medium. Grundsätzlich untersucht Anzi in ihren Arbeiten mittels skulpturaler und performativer Arrangements das Verhältnis von Raum, Objekten und Klang. Die Performance als bildnerisches Mittel ist dabei wesentlicher Bestandteil ihrer künstlerischen Praxis. Für den Bunker entwickelt die Künstlerin eine eigenständige Werkgruppe, die auf die architektonischen und historischen Dimensionen des Raums eingeht. Ausgangspunkt ist dabei das Ohr als sensorisches Organ, das räumliche Zuordnungen nur unvollkommen auflösen kann – als akustisches System ermöglicht es eine grobe Orientierung, kann aber Schallquellen nicht sehr präzise verorten, stattdessen ist das auditorische System für die Kodierung serieller Vorgänge wie Sprache und Musik ausgelegt. Vor diesem Hintergrund eröffnet Anzi eine historische Raumachse und rückt in ihrer Arbeit den Fokus auf als entartet diffamierte Musik weiblich gelesener Personen.

 

Der metaphysisch-symbolische Raum – Jennifer López Ayala

In ihren ortspezifischen, raumdurchdringenden Installationen und Assemblagen exploriert Jennifer López Ayala das Wesen eines spezifischen Raums und analysiert dessen physische wie auch sozio-kulturelle Möglichkeiten und Limitationen. Ihr besonderes Interesse gilt dabei dem „verletzten Raum“ und den Themen Schmerz, Trauma und Heilung im Spannungsfeld von Individuum und Kollektiv. Ayalas Beitrag in Form einer ortspezifischen Installation wird die Bedeutung des Bunkers als eine Art Rückzugsort beziehungsweise Schutzraum vor externen Bedrohungen hinterfragen. Einerseits können als Manifestationen der Angst und Unsicherheit betrachtet werden,andererseits treten sie angesichts der aktuellen politischen Lage, deutlicher denn je als Mahnmale hervor. Die damit verknüpften Ängste und Unsicherheiten prägen unsere Wahrnehmung und beeinflussen mitunter unsere kollektive Vorstellung von Schutz und Sicherheit. Jennifer López Ayalas Installation ist in diesem Spannungsfeld angesiedelt und wird diese ästhetische Bruchstelle, und die damit verknüpften möglichen Wunden oder Geheimnisse offenlegen.

 

Der soziale Raum – Sebastian Maas

In den Werken von Sebastian Maas wird die Bedeutung des Raums als soziale Praxis, in der soziale Beziehungen, Machtverhältnisse und kulturelle Bedeutung produziert und reproduziert werden, in signifikanter Weise greifbar. Der Raum in seinen Gemälden, der oft collagiert und fragmentiert ist, wird zum Ort der Identitätsbildung und bleibt in letzter Konsequenz immer unscharf. Die sexuelle Identität seiner Figuren wie auch in seinen Selbstporträts bleibt häufig uneindeutig und fließend. Durch die Kombination verschiedener Elemente aus unterschiedlichen räumlichen und kulturellen Kontexten legt er die Komplexität der menschlichen Identität offen und verdeutlicht deren Wechselwirkung mit dem Raum. Gleichzeitig weist er auf die Entkopplung von räumlicher Präsenz und sozialer Beziehung hin, wie sie durch die zunehmende Virtualisierung der Lebenswelt vorangetrieben wird.

 

Der ontologische Raum – Martin Werthmann

Wer den zumeist großformatigen Werken von Martin Werthmann gegenübersteht, wird, ob ihrer „Überwältigungsästhetik“ und enormen Suggestivkraft, in das Bildereignis respektive den Bildraum hineingesogen. Die Betrachtenden finden sich in einem genuinen Kosmos aus komplexen Farbstrukturen, -feldern und -schichten wieder, der durch eine diaphane Struktur in seinem Innersten zusammengehalten wird. Dabei lässt das „Diaphane“, das Durchscheinende, Räume und Oberflächen verschmelzen, Grenzen verschwimmen und Texturen aufweichen: Raum wird durch Raum und Licht begrenzt. Diese transzendente Raumerfahrung ist charakteristisch für Werthmanns Werke und führt dazu, dass Bild- und Betrachterraum eine Synthese eingehen. Werthmann schafft präzise konstruierte „Räume ohne konkrete Inhalte“, die dem Betrachtenden ein Spektrum an Sinn stiftenden, sinnlichen Erfahrungen ermöglichen und so das eigene Menschsein vergegenwärtigen.

 

In der Gesamtheit bieten diese vier Kunstpositionen eine vielschichtige Betrachtung des Raumes und seiner Bedeutung in unterschiedlichen Dimensionen – von der metaphysischen und sozialen bis zur ontologischen und multisensorischen Ebene. Sie verdeutlichen die tiefe Verbindung zwischen dem Raum und der menschlichen Identität und sollen die Besucher dazu einladen, den Raum aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und zu erleben.

Pop-up Ausstellung

16. Februar 2024 - 20. April 2024

Private, nicht öffentliche Bunkeranlage, Grünwald

Besichtigung nur auf Einladung oder auf Anfrage!

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