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Minjae LEE

In seinen raumgreifenden Installationen und Performances begibt Minjae Lee (*1984) sich auf eine mitreißende sowie einfühlsame Suche nach der Konfrontation mit Angst. Dabei setzt der Künstler seinen eigenen Körper in ein Spannungsfeld zwischen Licht und Soundeffekten, das von der realen Präsenz der Betrachter noch gesteigert wird. 

 

„Du brauchst keine Angst zu haben“, mutiert in seiner sturen Wiederholung, geschrieben mit Kreide an die dunklen Wände eines sechs Meter langen, fensterlosen Korridors, vom liebevollen Beschwichtigungsversuch zur Drohung. Die bedrückende Enge des Gangs erlaubt es Minjae Lee kaum zu atmen, während er sich seitlich vor und zurück bewegt. Sobald ein Satz beendet ist, wird er durch die nachfolgende Bewegung des Künstlers verwischt. Wie die Performance „Engster Korridor“ appelliert auch die „Herzliche Einladung zur Angst“ an die Auseinandersetzung der Besucher mit der Angst, die jeden Menschen ergreifen kann. Dabei ist die Angst mit der Minjae Lee arbeitet, von der er so ergreifend erzählt, längst vom einst evolutionären Schutzmechanismus zum sozio-kulturellen Kontext der Leistungsgesellschaft geworden. 

 

Die im prozessualen Handeln visualisierten Gedankenspiralen, ziehen sich in verschiedenen Installationen als bedrückende Mantras über Wände und Böden — kühl fluoreszierend und nur unter Schwarzlicht erkennbar. Über die endlos erscheinenden, ephemeren Worte stellen Minjae Lees Installationen und Performances das bedrückende Gefühl der Angst in einer Raum-situation visuell her. Von der Handlung übrig, bleiben nur die geschundenen T-Shirts des Künstlers, als textile Zeugen der Sysiphosarbeit. Als Spur der schwer greifbaren Angst drückt sich schließlich ein weißer Schleier in das schwarze Baumwoll-T-Shirt. In den Relikten der Performances materialisiert sich die repetitive Arbeit des Künstlers als objektgewordene Beschreitung eines Gefühls das die Gesellschaft kollektiv beschwert. Wie gefangen in seinen wiederkehrenden Gedankensträngen, kann sich der Künstler nicht aus dem geistigen Zyklus befreien, sich nicht herausschreiben.

 

Auch seinen Atem bemüht Minjae Lee zur fragmentarischen Materialisierung von Angst. Zaghaft haucht er für „Vor der Angst ist nach der Angst“ jeden einzelnen Buchstaben an die präparierte Glasscheibe, hinter der er steht, während das Gesicht des Besuchers auf der anderen Seite direkt mit dem Künstler konfrontiert wird. Die Angst tritt für einen Moment zwischen Betrachter und Künstler, wenn Minjae Lee ihr durch seine zutiefst menschliche Geste des Hauchens eine ephemere Form verleiht.

 

Die ergreifende Begegnung mit einer so unbestimmten Form von Angst lotet nicht nur das individuelle Gefühl des Künstlers aus, sondern versteht das Gefühl auch im Kontext einer gesellschaftlichen Verfasstheit, die zur Conditio humana der Gegenwart geworden ist. Wir sind aufgefordert uns dieser Angst zu stellen und sie gemeinsam zu ergründen.

Vita

  • Geb. 1984 in Anyang, Gyeonggi-do / Südkorea

  • Lebt und arbeitet in München

  • 2004-2010 Bachelor of Fine Arts mit Schwerpunkt "Malerei", ChuGye University for the Arts, Seoul

  • 2015-2021 Studium Bildhauerei, Akademie der Bildenden Künste München

  • 2021Diplom Freie Kunst, Akademie der Bildenden Künste München, bei Prof. Florian Pumhösl

Auszeichnungen

  • 2021 – Preis des Akademievereins zum Diplom

  • 2021 – Edenkoben-Stipendium der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur

  • 2020 – STIBET-Programm des DAAD

  • 2020 – Artist in Residence Stipendiat, KulturRING Demmin, T30 e.V., Hansestadt Demmin

  • 2020 – Max Ernst-Stipendium, Stadt Brühl

  • 2019 – Stipendium International Sommerakademie Salzburg bei Yorgos Sapountzis

  • 2018 – Stipendien für ausländische Studierende des Bayer. Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

  • 2018 – LfA-Kalender, Kulturförderung “junge Kunst in Bayern 2019” der LfA Förderbank Bayern

  • 2018 – Preis des Akademievereins zur Jahresausstellung (Klasse Pumhösl), Akademie der Bildenden Künste München

  • 2018 – Oskar-Karl-Forster-Stipendium-Founds