SILENCE

Martin Werthmann

September 2019

Die Frage des Raums nimmt im Œuvre Martin Werthmanns (*1982) eine zentrale Rolle ein. Dabei steht nicht der „klassische“, perspektivisch angelegte Raum im Vordergrund, sondern der Raum als sensuelles Erlebnis, in dem das menschliche Dasein in all seinen Facetten zum Ausdruck kommt. Seine monumentalen Holzschnitte begreift er als präzise konstruierte „Räume ohne konkrete Inhalte“, die dem Betrachter ein Spektrum an Sinn stiftenden, sinnlichen Erfahrungen ermöglichen und so das eigene Menschsein vergegenwärtigen. Ergo versteht Werthmann seine Holzschnitte weniger als Bilder, sondern als Installationen, die einen genuinen Erlebnisraum konstituieren, in den der Betrachter immer tiefer hineingezogen wird.

Werthmanns eindrucksvolle Werkserie SILENCE verkörpert diesen Anspruch geradezu paradigmatisch. Sich der Sogwirkung dieser gewaltigen, polychromen Holzschnitte zu entziehen, erscheint nahezu unmöglich. Das minutiös organisierte Wechselspiel zwischen Farbe und Form lässt den vermeintlichen Bildgegenstand oder das Bildgeschehen fortwährend im Vagen. Stattdessen formiert sich im permanenten Lauf der eigenen Assoziationsketten alles immerzu neu. Vermeintlich Erkanntes zerfällt bereits im nächsten Augenblick, um sogleich in einer neuen Form und einem neuen Sinnzusammenhang aufzugehen: Landschaften werden zu Objektträgern mit Zellproben, aus ornamentalen Strukturen entsteigen schemenhaft Figuren und Flüssiges erstarrt zu harter Materie.

 

Allen Arbeiten Werthmanns liegen reale Bilder zugrunde. Es sind Fotografien von Anschlägen, Katastrophen und Terrorakten, die durch die weltweite mediale „Gleichschaltung der Aufmerksamkeit“ auf derartige Ereignisse unser kollektives Bildgedächtnis entscheidend prägen. Diese Schreckensbilder arbeitet er durch Verfremdung in die verschiedenen Schichten seiner Holzschnitte ein. Dort verharren sie als nahezu unmerkliches Vibrato, die dem Bedrohlichen in Werthmanns Arbeiten eine faktische Basis geben.

Vernissage am Donnerstag, 12. September 2019 von 18-21:30 Uhr, Westermühlstr. 3, München.

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