ANGST

Alessandro Bostelmann, Andreana Dobreva, Sebastian Gallschütz, Sebastian Maas, Tom Messavilla, Tibor Pogonyi, Eunji Seo, Yuhao Chen

Februar 2019

Die Angst – sie ist ein Faszinosum. Einerseits können wir an ihr zugrunde gehen, andererseits kann sie uns einen ungemeinen Lust-gewinn sui generis verschaffen, zum Beispiel in Form des sogenannten Nervenkitzels. Sich der enormen Wirkungsmacht der Angst bewusst, dient sie zudem seit jeher den Mächtigen aber auch den Göttern als probates Mittel zur Machtentfaltung und -erhaltung.

 

„Oderint dum metuant“ (Mögen sie mich hassen, solange sie mich nur fürchten)  lautete etwa der Wahlspruch des für seine Tyrannenherrschaft berüchtigten römischen Kaisers  Caligula (12–41 n. Chr.). Panischen Schrecken streute auch der sonst so gesellige Hirtengott Pan, sobald man es wagte, selbigen bei seinem Mittags-schlaf zu stören. So verbreitete er beispielsweise unter den Schafen, die ihn einst durch ihr Blöken aufgeweckt hatten, die nach ihm benannte Panik. Doch einmal in Angst  versetzt, gelingt es selbst Pan nicht mehr die Schafe zu beruhigen und von ihrer Angst zu befreien. Angst ist also per se mächtig, wer Sie heraufbeschwört, wird sie so schnell nicht wie-der los und muss damit rechnen, ihrer unter Umständen nicht mehr habhaft zu werden.

 

Wenn wir als „Normalsterbliche“ Angst erleben, dann widerfährt sie uns und entlässt uns nicht so einfach wieder. Um uns aus ihren Fängen zu befreien, versuchen wir sie mit gebührendem Abstand zu reflektieren, sie zu verobjektivieren, zu definieren und in Kategorien einzuordnen. Doch so sehr wir uns dabei bemühen das Außerordentliche zu normalisieren, so ganz will und wird uns dies nicht gelingen. Zudem scheinen aktuell die Bemühungen genau in die entgegengesetzte Richtung zu gehen – Angst hat offensichtlich (wieder) Hochkonjunktur. Wir kultivieren, zelebrieren und instrumentalisieren selbige mehr denn je. Es liegt auf der Hand, dass das Bewusstsein unserer Ära nicht unwesentlich durch das Wissen um die Gefahren, die uns fortlaufend bedrohen, geprägt wird: Umweltschäden apokalyptischen Ausmaßes, religiöser Fanatismus, Drogen, Terror, Gewalt, Wirtschaftskrisen sowie Gefahren für die Privatsphäre. Schon ist die Rede von einem wieder aufgeflammten „Zeitalter der Angst“, wie es bereits Mitte des vergangenen Jahrhunderts – angesichts des Kalten Krieges und der damit verbundenen atomaren Bedrohung – proklamiert wurde. 

Grund genug, um sich dem Phänomen Angst in seiner Omnipräsenz aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln zu nähern. Dazu wagte HELDENREIZER ein Experiment und brachte acht ausgewählte junge Künstler*innen sowie Vertreter*innen der Kunstgeschichte, Musikwissenschaft und Philosophie für mehrere Tage im Kloster Weltenburg  zusammen. In Vorträgen, Diskussionen und persönlichen Gesprächen versuchte man dort den Schichten, Dimensionen und Mechanismen der Angst sowie deren Rolle innerhalb der Künste auf den Grund zu gehen. Die Ausstellung ANGST, mit Werken der Künstler*innen Alessandro Bostelmann, Andreana Dobreva, Sebastian Gallschütz, Sebastian Maas, Tom Messavilla, Tibor Pogonyi, Eunji Seo und Chen Yuhao, ist eine unmittelbare Reaktion auf dieses außer-gewöhnliche Zusammentreffen und den daraus gewonnen  Erkenntnissen. Doch wer nun eine Ausstellung erwartet, die das Fürchten lehrt, der wird enttäuscht. Vielmehr offenbaren sich in den gezeigten Werken die feinen Facetten der Angst, die für sie wesenhafte Unbestimmtheit und ihre Ambivalenz. Angst, so scheint es, wird in diesen außergewöhnlichen  Arbeiten zu einer eigenen ästhetischen Kategorie.

Vernissage am Donnerstag, 21. Februar 2019 von 18-21:30 Uhr, Westermühlstr. 3, München.

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