ALESSANDRO BOSTELMANN

EINE POSTFAKTISCHE GRUPPENAUSSTELLUNG   

15.05.2021 - 15.06.2021

»Der erste Entwurf für diese Werkgruppe war mein Kopf im Stil von Botero. Meine Beschäftigung mit dem postfaktischen Zeitalter, mit Täuschung und Fälschung, Fake News, sowie der selbstkreierte Bostelmann-Mythos schienen sich blitzhaft in diesem Bild zu verdichten. Ich hatte immer einen Drang verspürt, mit Postfaktizität zu arbeiten. So habe ich 2016 eine ‚Arte Dokumentation‘ über mich und meine Werke gedreht und einige Monate darauf ein Objekt im Stil von Yves Klein geschaffen, auf 1960 datiert und mir selbst gewidmet. Dieses Spiel mit fremdem geistigen Eigentum empfand ich als äußerst befriedigend. […] Die Aneignung fremder Stile in solcher Entschiedenheit hat definitiv etwas Bewusstseinserweiterndes für einen Maler.« (Alessandro Bostelmann, 2021)

 

»Fake it till you make it« – der Schlachtruf des proklamierten »postfaktischen Zeitalters«, dessen Qualität als Handlungsmaxime sich derzeit besonders deutlich in den sozialen Medien beobachten lässt, erfährt in der ersten Einzelausstellung des Malers und Konzeptkünstlers Alessandro Bostelmann (*1992) eine bezeichnende Wendung. Sieben Porträts von Bostelmann »aus der Hand höchst prominenter Vertreter der zeitgenössischen Kunst« werden darin unter dem Titel Eine postfaktische Gruppenausstellung präsentiert. Louise Bonnet, Fernando Botero, Glenn Brown, André Butzer, George Condo, Nicole Eisenman und Kehinde Wiley – sie alle haben scheinbar in dem für sie kennzeichnenden Stil und ihrer typischen Formensprache ein Porträt des Künstlers beigesteuert.

 

Doch alles ist fingiert. Die sich als Gruppenausstellung präsentierende Einzelausstellung ist eine Bostelmann‘sche Wunderkammer an Halbwahrheiten, ein postfaktisches Gesamtkunstwerk, das in der Kapsel der Galerieräume für »nicht Eingeweihte oder Unwissende« intuitiv als Wahrheit erscheinen mag –analog zu den diversen Filterblasen im Internet, die »das postfaktische Zeitalter in ihrer Essenz am Leben erhalten.« Es ist eine Parodie des »Ruhmdurstes« junger Künstler, eine satirisch verzerrte Überhöhung und die konsequente Fortführung von Bostelmanns Spiel mit dem selbsterschaffenen Künstler-Mythos, in dem er sein Alter Ego als exzentrisches Genie und gefeierten Künstler inszeniert. Gleichzeitig ist seine Serie eine Hommage an die vermeintlich für tot erklärte Malerei und deren vielseitige Ausdrucksmöglichkeiten.

 

Die gefühlten Wahrheiten, Halbwahrheiten, alternativen Fakten, kurz: das Postfaktische greift Bostelmann in seiner Ausstellung ganz entschieden als Ergebnis eines schöpferischen Aktes bzw. kreativen Denkens und Handelns auf. Er stellt den Reiz und die ästhetische Qualität des Postfaktischen in den Vordergrund, die sich in seinen Augen durch eine stark ambivalente, surreale Aura mit dem Reiz des Grotesken und Dadaistischen vergegenwärtigt. Die anfängliche Hybris, aus dem sich das Postfaktische nähren mag, weicht in der näheren Betrachtung der Ausstellung einer Bloßstellung der eigenen Unzulänglichkeit und Lächerlichkeit – »ein Oszillieren zwischen Megalomanie und Selbstverspottung.«