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Andreana DOBREVA

Die Grundlage von Dobrevas Praxis ist ihre zeitgenössische Neuinterpretation von Gemälden Alter Meister vorwiegend des 17. und 18. Jahrhunderts. Dabei bilden real existierende Gemälde den Ausgangspunkt, die sie durch ihre eigene abstrakte Formensprache vollständig transformiert. Diese historischen Quellen, die den Bildern den figürlichen Aspekt geben, bilden einen Teil des genannten Dualismus auf deren andere Gegenseite die Abstraktion steht. Auch wenn das von Dobreva untersuchte Ausgangswerk, kaum noch zu dechiffrieren ist und menschliche Figuren wie auch Element von Stillleben nur noch in deren Silhouetten visuell greifbar werden, stabilisieren sie für einen kurzen Moment den unruhig über die Leinwand wandernden Blick. 

 

Der abstrakte Pinselduktus hingegen destabilisiert die Komposition und versetzt das Dargestellte wiederum in Bewegung. Formen lösen sich auf, fließen ein-, aus- und ineinander. Die Gemälde erscheinen als reine Essenz der Farbe. Aber auch in diesem fluiden Zustand, in dem die Abstraktion und die totale Verfremdung der historischen Vorlage ihren Höhepunkt erreicht, bleiben die Charakteristika der Rokoko-Malerei in Dobrevas Arbeiten noch deutlich wahrnehmbar: Die theatralischen Kulissen, die dramatischen Lichtquellen, die Farbwahl und die hochdynamische Pinselführung sprechen trotz ihrer zeitgenössischen Erscheinung die üppige, kunstvolle Sprache und Plastizität jener Epoche. Die elaborierten Pinselstriche brechen die zugrundeliegenden Kompositionen auf und bilden durch üppige, dynamische Kurven und Schnörkel wiederum ornamentale Formen, die an Stilelemente des Rokoko erinnern.

 

In den großformatigen Ölgemälden der Künstlerin kommt häufig ein weiteres schöpferisches Moment zum Tragen: der Zufall. So sind unkontrollierte fließende Farben und Farbverläufe ein zentrales kompositorisches Element bei Dobreva. Indem die Künstlerin die Kontrolle aufgibt und der Farbe an bestimmten Stellen ihren freien Lauf lässt, tritt ihre Autorschaft in den Hintergrund. Für einen Moment übernehmen die zufällig entstehenden Linien selbst die gestalterische Arbeit am Gemälde.

Ausstellungen bei HELDENREIZER

  • 2021 - "Against Nature", 12.11. - 31.12.2021 in München

  • 2019 - "trans/rokoko", 05. - 07.12.2019 in München

  • 2019 - "ANGST", 21. - 23.02.2019 in München

  • 2018 - "UNKLASSISCH", 22. - 24.02.2018 in München

Vita

  • Geb. 1982 in Siven, Bulgarien

  • Lebt und arbeitet in London

  • 2008-2012 Studium der Psychologie und Pädagogik, Ludwig-Maximilians-Universität München

  • 2012-2019 Studium der Malerei und Grafik bei Prof. Anke Doberauer und Prof. Florian Pumhösl, Akademie der Bildenden Künste München

  • 2019 Diplom an der Akademie der Bildenden Künste München

Publikationen

  • 2019 - Marcus Trautner (Hg.): ANGST - Alessandro Bostelmann, Andreana Dobreva, Sebastian Gallschütz, Sebastian Maas, Tom Messavilla, Tibor Pogonyi, Eunji Seo, Yuhao Chen, Heldenreizer Contemporary 2019, ISBN 978-3-9819524-3-8

  • 2018 - Marcus Trautner (Hg.): UNKLASSISCH - Andreana Dobreva, Sebastian Maas, Christian Sedelmayer, Heldenreizer Junge Kunst München 2018, ISBN 978-3-9819524-0-7