FLOATING STATES

Ulysses Belz

September 2018

Die monumentale Werkgruppe der Floating States markiert zweifelsohne einen vor-läufigen Höhepunkt im Œuvre von Ulysses Belz (*1958). In ihnen erkundet Belz das Phänomen des Wirklichkeits-Pluralismus im Spannungsfeld von Kognition und faktischer Realität. Dabei eröffnen die Floating States dem Betrachter nichts weniger als eine völlig neue Welt, die geprägt ist durch den Blick auf genau jene Prozesse, die dem eigenen Erkennen und Wahrnehmen voranstehen. Die Ästhetik, die sich so in diesen Werken nach und nach entfaltet, ist einzigartig – überwältigend, monumental und doch zugleich von poetisch anmutender Filigranität und Rätselhaftigkeit. In ihnen verschmelzen Makro- und Mikrokosmen, Außen- und Innenwelt und die Prozesse der Wahrnehmung und des Erkennens werden zum malerischen Ereignis, ja zum eigentlichen Bildgegenstand.

Floating States meint übersetzt nicht nur sich fortwährend verändernde Staaten oder Zustände, sondern steht insbesondere auch für Floating [Mind]States, sprich sich unablässig neuformierende Geisteszustände. Floating hingegen spielt hier auch auf die sogenannten Floaters an, transparente Schwebeteilchen in der Glaskörperflüssigkeit des Auges, die in unserem Blickfeld fortwährend auf- und abtanzen. Jeder Mensch hat sie und sie begleiten und prägen unsere Wahrnehmung in der Regel unser ganzes Leben lang. Die Floating States sind also „Abbilder“ jener mentalen Prozesse und entoptischen Phänomene, die unser Konstrukt „Wirklichkeit“ bedingen. Damit beschreitet Belz einen radikal neuen Weg in der Kunst, der den intentionalen Blick, das heißt den Blick aus dem Individuum heraus, zum Ausgangspunkt einer neuen Gegenständlichkeit macht, die die eigene Kognition sowie die Realität als einen fortlaufenden, individuell geformten, konstruktiven Prozess veranschaulicht. Die Retina, genauer die Austrittsstelle des Sehnervs, an der wir bezeichnenderweise ja völlig blind sind, avanciert in diesem Zuge zur physischen Grenze, an der faktische und konstruierte Welt ihre visuelle Synthese eingehen. Als „revolutionäre Malerei in Denkformen“ bezeichnet die französische Philosophin Joëlle Proust diese neue Form der Malerei, die Ulysses Belz selbst als Metakognitive Malerei bezeichnet. Sie verfügt jenseits von Abstraktion und Figuration über ein eigenes, neues Formenvokabular, das zu großen Teilen durch offene Schemata, Andeutungen sowie nicht näher bestimmbare Strukturen und Raumgefügen geprägt ist. Es ist eine befreite Malerei, die keinen Dialog mehr im Sinne einer Interpretation sucht, sondern ausschließlich den Prozess hinter der eigenen Kognition ästhetisch spiegelt.

Wir freuen uns außerordentlich, mit den  Floating States die neueste Werkgruppe von Ulysses Belz bei HELDENREIZER in einer kontrastierenden Gegenüberstellung mit dem Werk Lotion (siehe Abbildungen unten) präsentieren zu können. Letztere ebenfalls metakognitive Arbeit entstand kurz vor den Floating States und ist eine unmittelbare Reaktion des Künstlers auf die neu aufgeflammten, separatistischen Bestrebungen im Nordosten Spaniens. Obgleich im ersten Augenblick sehr unterschiedlich, eint die Gemälde eine der Schlüsselfragen im Gesamtwerk von Ulysses Belz: die Frage der Realität[en]. 

Vernissage am Donnerstag, 13. September 2018 von 18-22h, Westenriederstr. 41/1.OG, München.

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