Tibor POGONYI

In seinen Gemälden konfrontiert uns Tibor Pogonyi mit unserem Verhältnis zu der uns umgebenden Wirklichkeit. Souverän führt er den Pinsel über die Leinwand und konkretisiert dabei die Dinge in einem Malduktus, der häufig an das Goldene Zeitalter der niederländischen Barockmalerei und an Meister wie Jan Vermeer (1632–1675) erinnert. Anderes umfängt er hingegen mit einer geheimnisvollen Unschärfe, die sich spätestens mit Gerhard Richter (1932) in der zeitgenössischen Malerei etabliert hat. Mit diesem Kunstgriff thematisiert Pogonyi die Gattung der Malerei selbst, die sich heute mehr denn je gegenüber den omnipräsenten Alltagsmedien wie Fotografie oder Film behaupten muss.


Pogonyi taucht in die tiefsten Gewässer der menschlichen Seele hinab und holt dabei Szenen an die Oberfläche, die uns zugleich vertraut und doch auch merkwürdig fremd erscheinen. Er offenbart uns in seinen Werken gerade das, vor dem wir ansonsten gern die Augen verschließen: unser Verhältnis zur Natur, zu uns selbst und zu anderen Menschen. Manches wird ungeschönt dargestellt, anderes nur malerisch angedeutet. Alles nimmt uns aber gefangen, lässt unsere Blicke sich in den Bildern verlieren und entführt uns in unsere eigenen Seelenwelten.


Der Mensch als vermeintliche Krone der Schöpfung ist ein immer wiederkehrendes Thema in seinem Ouevre. Häufig sind kauernde, athletisch gebaute und doch merkwürdig kraftlos erscheinende Gestalten in kargen, grauen Naturlandschaften zu sehen. Mit letzter Gewalt sträuben sie sich gegen eine unbekannte, sie zu Boden drückende Last. Die eigentlichen Ausdrucksträger ihrer Persönlichkeit, nämlich ihre Gesichter, werden von langen Tüchern verhüllt. Es kommt nicht mehr auf ihre Person an, sondern auf ihre
Körperlichkeit. Der Versuch, sich wie Narziss im Wasser zu spiegeln, um allein die eigene Schönheit zu bewundern, wird zur Farce. Die blassen Körper werden zum Ausdrucksmittel der zwischenmenschlichen Beziehung und fordern uns auf, uns mit den Figuren zu
identifizieren. So werden wir zu einem Spiegel, in dem sich schließlich die Selbstbezogenheit und der Wunsch nach immerwährender Jugend unserer Zeit entblößen.

Ausstellungen bei HELDENREIZER

  • 02/2019 - "ANGST", 21.-23.02.2019 in München

  • 04/2018 - "NEUE DIALOGE", 26.-28.04.2018 in München

Vita

  • Geb. 1974 in Eger, Ungarn

  • Lebt und arbeitet in München

  • 1994-1999 Kunst- und Germanistikstudium, Pädagogische Hochschule Eger, Ungarn

  • 2000-2006 Studium der Malerei bei Prof. Fridhelm Klein und Prof. Anke Doberauer, Akademie der Bildenden Künste München

  • 2006 Ernennung zum Meisterschüler bei Prof. Anke Doberauer

  • 2007 Diplom an der Akademie der Bildenden Künste München

Publikationen

  • 2019 - Marcus Trautner (Hg.): ANGST - Alessandro Bostelmann, Andreana Dobreva, Sebastian Gallschütz, Sebastian Maas, Tom Messavilla, Tibor Pogonyi, Eunji Seo, Yuhao Chen, Heldenreizer Contemporary 2019, ISBN 978-3-9819524-3-8

  • 2018 - Marcus Trautner (Hg.): NEUE DIALOGE - Tibor Pogonyi, Marten Kirbach, HELDENREIZER Junge Kunst 2018, ISBN 978-3-9819524-1-4

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